Aktuell

Verteilung wird durch Corona noch ungleicher: wer bezahlt die Kosten?

Die Ökonomin Isabel Martinez sagt es klar: Viele Unternehmer konnten ihre Vermögen in der Corona-Krise deutlich erhöhen.

Darunter ist, so wissen wir inzwischen, auch die Familie Blocher. Der Wohlstand wird nach Corona noch ungleicher verteilt sein. Wer bezahlt jetzt die Kosten? Soll es eine Corona-Sondersteuer geben?

Mehr dazu in der Republik.

Rekord in den USA: 12 Personen besitzen eine Billion

Ein bedenklicher Rekord in den USA: Die 11 reichsten Milliardäre und eine Milliardärin besitzen neuerdings mehr als eine Billion Dollar.
Spitzenreiter ist Jeff Bezos mit fast 190 Milliarden vor Bill Gates mit 114 Milliarden. Seit Beginn der Pandemie im März hat dieses Dutzend sein Vermögen sogar noch um 283 Milliarden erhöht, während viele andere an oder unter die Armutsgrenze gedrängt wurden.
Auch in der Schweiz ist der Reichtum sehr ungleich verteilt. Die Anzahl der Milliardäre nahm laut „Bilanz“ 2019 auf 139 Personen zu. Das reichste Prozent verfügt über mehr als 42 Prozent aller Vermögen.

Mehr dazu hier.

Wie viel ist eine Billion: Mit Scrollen die Grössenordnung entdecken.


„Autoindustrie am Scheideweg“

«Diese Coronakrise macht sehr deutlich: wenn über acht oder zwölf Wochen keine Autos gebaut werden, passiert nichts in diesem Land. Es ist also kein systemrelevantes Produkt, das wir herstellen.» Der VW-Betriebsratsvorsitzende Bätzold zur Corona-Pandemie, Elon Musk, zur Zukunft der Autoindustrie, zum Klimawandel und Dieselskandal. Im spannenden Interview, das Michael Lacher für das Denknetz geführt hat, spricht Bätzold auch zum Klima Klartext: „Ein toter Planet hat nun mal keine Jobs.“

Lesen Sie hier das Interview mit Carsten Bätzold
Reaktion auf den Denknetz-Beitrag: Interview in der Hessisch-Niedersächsischen Allgemeinen HNA.

Corona: So tickt Deutschland – Funktioniert der Abgang ohne Untergang?

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„Wenn die Ebbe kommt, sieht man erst, wer ohne Badehose schwimmt“ sagt Warren Buffet, der kluge wie gerissene Investor, und weist ungewollt darauf hin, wie unbarmherzig die Coronakrise all die ungelösten Probleme Europas, der Wirtschaft und ihrer Beschäftigten aufdeckt. Der Text zeichnet nach, wie die deutsche Regierung auf die Krise reagiert hat, welche Rückkoppelungseffekte sie dabei auslöste und was dies für die Zukunft bedeutet.

Diskussionsbeitrag | Geschrieben am 16.4.2020 von Michael Lacher für das Denknetz

Erbschaften verstärken die Ungleichheit

Das Volumen der vererbten Vermögen hat in den letzten Jahrzehnten stark zugenommen. Eine Untersuchung der Uni Bern und der Fachhochschule Bern zeigt, dass ein Prozent aller Erben über 36 Prozent aller Erbschaften einkassiert. Zehn Prozent der Erben erhalten sogar über zwei Drittel aller Erbschaften. Da dieser hohe Anteil grösstenteils an diejenigen geht, die ohnehin bereits zu den Reichsten gehören, zementieren die rund 95 Milliarden, die jedes Jahr in der Schweiz vererbt werden, die bestehende Ungleichheit.

Der ganze Artikel von Robert Fluder und Rudolf Farys findet sich online in der Nr. 1 des Magazins „Moneta“: Erbschaften verstärken Ungleichheit…. Dort gibt es auch noch andere spannende Artikel zum Thema Vererben, z.B. von Peter Schneider und Marius Brülhart.

Trumponomics: Simple Politische Ökonomie

„Die von Trump angestossene Steuerreform senkte den Unternehmenssteuersatz von 35% auf 21%, wodurch die Gewinne der S&P 500-Unternehmen um rund 10% stiegen.“

aus „Year ahead 2020“, Broschüre der UBS, der grössten Schweizer Bank.

Ist Politische Ökonomie nicht manchmal sehr simpel? Kein Wunder, dass die UBS-Ökonomen weiter hinten feststellen:

„Weltweit bewegt sich der Anteil am Wirtschaftsoutput, der an die Arbeitnehmenden geht, nahe am tiefsten Stand seit mehreren Jahrzehnten. In den USA ist der prozentuale Anteil am Gesamtvermögen im Eigentum der reichsten 0.1% der Bevölkerung zum ersten Mal seit den 1930er Jahren nahezu ebenso hoch wie der Anteil der ärmsten 90%.“

aus „Year ahead 2020“, Broschüre der UBS, der grössten Bank der Schweiz.

Jeder zweite Vermögensfranken ist vererbt

Die grossen Vermögen haben in der Schweiz in den letzten Jahren stark zugenommen. Jetzt zeigt eine neue Studie der Uni Lausanne, dass die Hälfte aller Vermögen aus Erbschaften besteht. Erbschaften und Schenkungen dürften 2020 95 Milliarden Franken erreichen, nachdem sie 1999 noch 36 Milliarden Franken betragen hatten. Trotzdem wurden die Erbschaftssteuern in allen Kantonen stark gesenkt, dies als Folge des Steuerwettbewerbs. Für die Kantone und Gemeinden war dies trotz allem ein Verlustgeschäft. 

Die Studie von Marius Brülhart

Erbschaften, Erbschaftssteuern und Vermögenssteuern (in Milliarden Franken)

Das neue Buch von Piketty:

Radikale Rückverteilung nötig

Bis jetzt erst auf Englisch und Französisch herausgekommen ist das neue, 1200-seitigeWerk von Piketty. Er beschreibt darin, wie die ungleiche Verteilung des Reichtums vor allem seit 1980 zugenommen hat und welche Gefahren dies beinhaltet. Er entwirft ein Programm, das diese Entwicklung mit einer starken Steuerprogression, mit Verstaatlichung und Mitbestimmung korrigieren will. Daniel Binswanger hat in der «Republik» eine ausgezeichnete, kritische Zusammenfassung des neuen Buches verfasst.

Ungleichheit ist kein Naturgesetz von Daniel Binswanger

Wieviel ist eine Milliarde?

Gerade ist die neue Liste der Bilanz über die reichsten Personen der Schweiz erschienen. Die 300 Reichsten haben demnach im Jahr 2019 ihr Vermögen um 27 Milliarden auf total 720 Milliarden Franken erhöht. Vor allem die ganz Reichen haben zugelegt. Unter den 300 Reichsten gibt es 139 Milliardäre, fünf mehr als im Vorjahr.

Aber können wir uns eigentlich überhaupt vorstellen, wie viel eine Milliarde ist? Die SP hat dazu ein schönes Beispiel gerechnet.

Hier der dazu gehörende Artikel in der Handelszeitung.

15. November 2019

Familien zahlen mehr Krankenkasse als Steuern

Die hohen Krankenkassenprämien ­belasten unsere Haushaltsbudgets ­extrem, das wissen vor allem jene, die eine Familie mit Kindern durchbringen müssen. Bei einem mittleren Einkommen müssen Familien in den meisten Kantonen sogar mehr für die Krankenkasse aufwenden als für alle Bundes-, Kantons- und Gemeindesteuern zusammen. Das gilt zum Beispiel für eine vierköpfige Familie mit zwei Kindern und einem Bruttoeinkommen von 125’000 Franken. Dies entspricht ­einem steuerbaren Einkommen von etwa 87’000 Franken. Das ist in der Schweiz ziemlich genau das mittlere Haushaltseinkommen einer Familie dieser Grösse. Im Schweizer Durchschnitt zahlt sie pro Jahr 11 200 Franken Krankenkasse und 10’900 Franken Steuern. Dies beinhaltet nur den obligatorischen Teil der Kranken­kassenprämie, ohne Zusatzversicherung. Bei diesem Einkommen gibt es auch keinen Anspruch auf Prämien­verbilligung.

(Quellen: BfS, Einkommens- und Vermögenssteuern der natürlichen Personen, 2018; BAG, Prämienregionen 2020.)

Nur in einigen Kantonen mit relativ ­hohen Steuern wie im Kanton Bern oder im Jura sind die Steuern höher als die Krankenkassenprämie. Die ­Unterschiede zwischen den Kantonen sind nicht nur bei der Steuerbelastung, ­sondern auch bei den Krankenkassenprämien hoch. So bezahlt etwa in ­Basel-Stadt eine Familie 70 Prozent mehr Prämie als im Kanton Uri.

EXTREME UNGLEICHHEIT. Da oft Kan­tone mit einer relativ hohen Steuerbe­lastung auch hohe Krankenkassen­prämien haben, ergibt dies enorme Unterschiede. Die Gesamtbelastung ist für die gleiche Familie in Neuenburg fast zweieinhalb Mal so gross wie in Zug. Oder in Bern rund 50 Prozent ­höher als im Kanton Schwyz. Der Grundsatz in Artikel 8 der Bundesverfassung – «alle Menschen sind vor dem Gesetz gleich» – gilt offensichtlich weder für das Steuergesetz noch für das Krankenversicherungsgesetz. Der hohe Anteil der Krankenkassenprämien und die Unterschiede zwischen den Kantonen sind auch die Gründe dafür, dass unser Steuersystem nur eine geringe Umverteilungswirkung zwischen Arm und Reich hat. Es ist Zeit, dies zu ändern. Mit einer wirksamen Steuerharmonisierung oder der Krankenkasseninitiative der SP. Diese will die Prämienbelastung auf 10 Prozent des steuerbaren Einkommens begrenzen.

Viele Frauen möchten mehr arbeiten

27. September 2019

Während die Schweiz punkto Erwerbslosigkeit mit 4,7 Prozent immer noch relativ gut abschneidet, sieht es bei der Unterbeschäftigung ganz anders aus. Als unterbeschäftigt gelten jene Personen, die in einem Teilzeitpensum sind, aber eigentlich mehr arbeiten möchten. Dies sind zu einem grossen Teil Frauen. Mit 7 Prozent (Frauen 10,8 Prozent) hat die Schweiz die höchste Unterbeschäftigungsquote in Europa. Im EU-Durchschnitt sind es nur 3,4 Prozent.

(Quelle: Bundesamt für Statistik, Schweiz. Arbeitskräfteerhebung (SAKE))

STILLE RESERVE. Insgesamt waren 2018 in der Schweiz 587’000 Personen erwerbslos oder unterbeschäftigt. Hinzu kommen 243’000 Personen der sogenannten stillen Reserve. Das sind insbesondere Menschen, die aus verschiedenen Gründen keine Arbeit ­suchen, aber eigentlich für den ­Arbeitsmarkt zur Verfügung stünden. Auch hier gibt es mehr Frauen als Männer. Als Ursache werden am häufigsten ­«familiäre Gründe» angegeben. Weiterbildung oder die Hoffnungslosigkeit, je wieder eine Stelle zu finden, sind ­andere Gründe. Dazu braucht es allerdings eine wichtige Fussnote: Die Statistik befasst sich an dieser Stelle nur mit Erwerbsarbeit. Bekanntlich werden in der Schweiz etwa gleich ­viele Stunden Gratisarbeit geleistet wie Lohn­arbeit. Besonders viele «unterbeschäftigte» Frauen arbeiten in Tat und Wahrheit ganz viel, indem sie Kinder betreuen, alte Menschen pflegen oder Hausarbeit leisten. Der Wunsch vieler wäre aber, mehr auf ­ihrem Beruf tätig zu sein und einen ­ordentlichen Lohn für ihre Arbeit zu bekommen. Insgesamt gibt es also rund 830’000 Personen, die in der Schweiz erwerbslos und unterbeschäftigt sind oder der sogenannten stillen Reserve angehören. Das sind 17 Prozent der Erwerbsbevölkerung!

RIESIEGES POTENTIAL. Diese Zahl steht im Widerspruch zu den Befürchtungen, dass es immer weniger Erwerbstätige durch Überalterung gebe und deshalb unsere Sozialwerke bedroht seien. 830’000 Menschen sind ein riesiges Potential. Würde auch nur ein Teil dieser Reserve ausgeschöpft, wäre die AHV gesichert, und wir be­nötigten weder ein zusätzliches Mehrwertsteuerprozent noch eine ­Erhöhung des Frauenrentenalters. Mit einer besseren Vereinbarkeit von Beruf und Familie, zum Beispiel durch bezahlbare Krippen und Tagesschulen, könnten bereits ein grosser Teil der «unter­beschäftigten» Personen wieder einem bezahlten Beruf nachgehen oder ihr Pensum erhöhen.

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Alle meiner „1×1“-Beiträge der letzten Jahre aus der Zeitung „work“ finden sich hier

Hilfe, Schweiz auf Rang 5 abgerutscht!

Im Ranking des Weltwirtschaftsforums WEF über die Wettbewerbsfähigkeit der Länder ist die Schweiz dieses Jahr von Rang 4 auf Rang 5 abgerutscht. In der Tagesschau auf SRF1 vom 9. Oktober 2019 konnte ich kurz dazu Stellung nehmen, zusammen mit Peter Grünenfelder, Direktor von Avenir-Suisse: