Explodierende Unternehmensprofite

Explodierende Unternehmensprofite
Dank hรถherer Einnahmen aus der Unternehmenssteuer hat der Bund plรถtzlich einen Einnahmenรผberschuss statt roten Zahlen. Dahinter stecken explodierende Unternehmensgewinne.
Angesichts der gestiegenen Unternehmensprofite sind die Mehreinnahmen des Bundes nicht verwunderlich. Seit den Coronajahren sind die Reingewinne nochmals krรคftig angestiegen. Bereits vorher ging es aber schon steil aufwรคrts. In den letzten 10 Jahren haben sich die Profite ungefรคhr verdoppelt, vergleicht man sie mit 1990 sind sie sogar achtzehnmal hรถher. In den letzten Jahren haben die Rรผstungsindustrie und in der Schweiz insbesondere die Rohstoffkonzerne massiv von Krisen und Kriegen profitiert. Die jรผngsten Mehreinnahmen des Bundes resultieren deshalb vor allem aus den Steuerzuflรผssen von Genf und Zug. Ein Beispiel hierfรผr ist Shell. Die Firma, die hauptsรคchlich im klimaschรคdigenden รl- und Gasgeschรคft tรคtig ist, hat รผber ihre Tochterfirma Shell Brands International zwischen 2018 und 2023 Gewinne in der Hรถhe von 9.7 Milliarden nach Zug verschoben und dort versteuert.[1]
Steuersรคtze sinken und sinken. Von der Vervielfachung der Reingewinne in den letzten Jahren mรผssten Bund, Kantone und Gemeinden aber eigentlich viel mehr profitieren. Wรคhrend die Reingewinne in den letzten gut 30 Jahren von 40 Milliarden auf rund 700 Milliarden stiegen, nahmen die Einnahmen von Bund, Kantonen und Gemeinden nur von gut 6 auf 30 Milliarden zu. Das ist nicht einmal das Fรผnffache, wรคhrend die Gewinne um das Achtzehnfache stiegen. Grund dafรผr sind die massiven Steuersenkungen fรผr Unternehmen durch die diversen ยซSteuerreformenยป. Wรคhrend in den 1990er Jahren die Firmen noch rund 15 Prozent ihres Reingewinnes an den Staat abliefern mussten, sind es heute nur noch gut vier Prozent.ย
Die offiziell ausgewiesen Steuersรคtze in den Kantonen betrugen 2025 im Durchschnitt 14.1 Prozent, 1990 noch 31 Prozent.[2]ย Der Unterschied zu den von uns errechneten, effektiven Steuersรคtzen liegt in diversen Gewinnminderungen, welche die Unternehmen in den Kantonen vornehmen kรถnnen. Zum einen sind dies gesetzeskonforme Abzรผge, wie Beteiligungsabzรผge, Steuerminderung fรผr Forschung -und Entwicklungsausgaben sowie Einnahmen aus Patenten etc. Unternehmen kรถnnen bekanntlich auch die zu bezahlenden Steuern noch vom Reingewinn abziehen. Zudem gibt es fragwรผrdige zusรคtzliche Steuervergรผnstigungen in einzelnen Kantonen, wie z.B. Steuererlasse bei Neuansiedlungen.ย

Quellen: Eidg. Steuerverwaltung, Statistische Kennzahlen Direkte Bundessteuer; Eidg. Steuerverwaltung, GFS Jahresdaten; Reingewinne 2025, eigene Schรคtzung.ย
Undurchsichtige Steuerrabatte. Diese Steuervergรผnstigungen sind allerdings sehr undurchsichtig und der Bund erhรคlt von den Kantonen keine genauen Informationen, wie die Zahlen zu den Gewinnen und den Steuerertrรคgen genau zustande kommen. Die NZZ spricht von einer ยซdรผsteren Informationslageยป fรผr die eidgenรถssische Steuerverwaltung. Die Kantone wรผrden das Steuergeheimnis ยซhรผten wie einen Schatzยป.[3]
Es ist zwar erfreulich, dass der Bund mehr Unternehmenssteuern einnimmt als erwartet. Tatsache ist aber auch, dass die Unternehmen heute nur noch gut vier Prozent ihres Reingewinnes an den Fiskus abliefern. Das ist viel zu wenig. Zum Vergleich: eine Mittelstandsfamilie bezahlt je nach Kanton um die 20 Prozent Steuern.
Wรผrden Unternehmen noch mit dem gleichen Prozentsatz besteuert wie vor 30 Jahren, wรผrden Bund, Kantone und Gemeinden heute รผber 100 Milliarden einnehmen anstatt nur 30 Milliarden. Das wรคre wohl eher angemessen.
[1] SRF News vom 28.8.2026,
[2] KPMG, Clarity on Swiss Taxes, 2025
[3] NZZ, 18.8.2026