Schweizer Steuerpolitik: Treiber der Ungleichheit

Steuerparadiese wie Zug sind mitverantwortlich für ein unsolidarisches Steuersystem

Das Schweizer Steuersystem: Treiber der Ungleichheit

Eine neue Untersuchung des Denknetz kommt zu einem überraschenden Ergebnis: Das Schweizer System der Einkommenssteuern ist zwar progressiv, die Reichen zahlen einen überproportionalen Teil aller Einkommenssteuern. Für das Gesamtsystem aller Steuern und Abgaben stimmt das aber nicht mehr. Unter Einbezug der Sozialversicherungen bezahlen reiche und sehr reiche Personen im Verhältnis zu ihrem Einkommen gleich viel wie mittlere oder tiefe Einkommen. Dies obschon sie mindestens so viel von den öffentlichen Einrichtungen profitieren.

Die Einkommenssteuern sind in der Regel progressiv ausgestaltet, d.h. Personen mit hohem Einkommen werden prozentual stärker belastet als Personen mit tiefen Einkommen. Dies führt zu einem gewissen Ausgleich und einer Rückverteilung von oben nach unten. Alle europäischen Länder handhaben dies so, ausser Rumänien, wo zurzeit alle Personen dem gleichen prozentualen Steuersatz unterworfen sind.

Hier der vollständige Artikel: Denknetz-Verteilungsbericht 2025, inkl. Gleichheitsmonitor.

Ein zusammenfassender Bericht ist auf Infosperber erschienen.

In der Schweiz hat vor allem die Bundessteuer eine steile Progression, sie macht aber nur einen kleinen Teil der gesamten Steuereinnahmen aus. Wichtiger sind die kantonalen und kommunalen Steuern, die eine geringere Progression und grosse Unterschiede aufweisen. Alle anderen obligatorischen Abgaben, wie AHV/IV/EO/ALV, das System der zweiten Säule und die Krankenkassenbeiträge sind stark degressiv. Das heisst, dass hier untere und mittlere Einkommen überproportional stark zur Kasse gebeten werden. Dies bremst die positive Verteilungswirkung der direkten Steuern aus.

Das Steuersystem ist in den letzten 40 Jahren unsolidarischer geworden. Die Unternehmens- und Vermögenssteuern wurden stark gesenkt, die Progression bei den Einkommenssteuern ist verflacht. Damit wird nicht nur das verfassungsmässige Prinzip der «Besteuerung nach Leistungsfähigkeit» in Frage gestellt. Die Ungleichheit hat zugenommen und die öffentlichen Finanzen sind durch Milliarden von Mindereinnahmen in Schieflage geraten.

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